Impostor-Syndrom im Job: Warum die üblichen Tipps oft zu kurz greifen

Das Wichtigste in Kürze
- Das Impostor-Syndrom beschreibt das Gefühl, trotz Kompetenz und Erfolgen nicht gut genug zu sein und irgendwann als „Hochstapler(in)“ entlarvt zu werden. Besonders häufig betrifft es leistungsstarke und erfolgreiche Menschen.
- Typisch ist eine Diskrepanz zwischen Verstand und Gefühl: Objektiv weiß man, dass man qualifiziert ist, gleichzeitig bleibt ein hartnäckiger Zweifel an den eigenen Fähigkeiten bestehen.
- Häufig steckt dahinter eine tief verankerte Grundüberzeugung wie „Ich bin nicht gut genug“. Solche Glaubenssätze entstehen oft früh im Leben und wirken später unbewusst im Berufsalltag weiter.
- Viele gängige Tipps gegen Selbstzweifel können kurzfristig helfen, etwa positives Denken oder das Sammeln von Erfolgen. Sie greifen jedoch oft zu kurz, wenn die zugrunde liegenden Überzeugungen unverändert bleiben.
- Nachhaltige Veränderung entsteht erst, wenn man die eigenen Selbstzweifel genauer untersucht und ihre individuellen Auslöser erkennt.
- Wer versteht, woher das Gefühl kommt, kann gezielt daran arbeiten und so langfristig mehr Sicherheit im Job entwickeln.
Seit geraumer Zeit taucht der Begriff Impostor-Syndrom im beruflichen Kontext ständig auf.
In Artikeln, Podcasts oder auf LinkedIn ist regelmäßig davon die Rede.
Gemeint ist das Gefühl, die eigenen Erfolge nicht wirklich verdient zu haben und irgendwann gewissermaßen entlarvt zu werden: „Impostor“ (alternativ auch „imposter“ geschrieben) ist das englische Wort für „Betrüger“.
Die Betroffenen leisten meist sehr gute Arbeit, übernehmen Verantwortung und erhalten positives Feedback. Trotzdem bleiben immer nagende Zweifel:
- Bin ich wirklich kompetent genug?
- Habe ich meinen Erfolg tatsächlich verdient?
- Wann merkt jemand, dass ich das alles gar nicht kann?
Genau diese Erfahrung beschreibt das Impostor-Syndrom. Der Begriff geht auf die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes zurück,die das Phänomen 1978 erstmals bei hochleistenden Frauen beschrieben haben .
Inzwischen zeigen Studien, dass solche Selbstzweifel keineswegs selten sind,
besonders bei Menschen in leistungsorientierten beruflichen Umfeldern.
Was mit Impostor-Syndrom gemeint ist
Der Begriff Impostor-Syndrom meint ein Muster von Selbstzweifeln, das bei vielen leistungsstarken Personen vorkommt. Typisch sind dabei Gedanken wie:
- „Ich hatte einfach Glück.“
- „Die anderen überschätzen mich.“
- „Irgendwann fliege ich auf.“
Gleichzeitig sprechen die Fakten in der Regel eine andere Sprache: Die Betroffenen verfügen über Erfahrung, Kompetenz und nachweisbare Erfolge. Dennoch bleibt bei ihnen das Gefühl bestehen, den Anforderungen nicht wirklich gewachsen zu sein.
Die gängigen Tipps zum Impostor-Syndrom
Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stößt schnell auf eine Reihe von Empfehlungen, die immer wieder genannt werden:
- Führen Sie sich Ihre Erfolge vor Augen!
- Schreiben Sie auf, was Sie gut können!
- Sammeln Sie positives Feedback von anderen!
- Sprechen Sie positiver über sich selbst!
Solche Übungen können durchaus hilfreich sein, denn sie lenken den Blick auf die eigenen Leistungen und können dabei unterstützen, ein realistischeres Bild der eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass diese Ansätze bei vielen Betroffenen nur begrenzt helfen.
Wenn der Verstand längst überzeugt ist
Viele Menschen, die unter starken Selbstzweifeln leiden, wissen vom Kopf her sehr genau, was sie erreicht haben.
Sie haben anspruchsvolle Studiengänge absolviert, verantwortungsvolle Positionen übernommen und vielleicht schon komplexe Projekte umgesetzt. Ihre Leistungen werden regelmäßig durch Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen oder Kunden bestätigt.
Rational besteht also kein Zweifel daran, dass sie kompetent sind. Und dennoch bleibt das diffuse Gefühl bestehen, nicht gut genug zu sein.
Diese Diskrepanz ist typisch für das Impostor-Syndrom: Der Verstand erkennt die eigenen Leistungen an, während der Bauch, also das innere Erleben, etwas anderes vermittelt.
Warum rationale Strategien oft nicht ausreichen
Wenn Selbstzweifel so hartnäckig sind, ist ihnen allein auf rationaler Ebene nicht beizukommen.
Viele Überzeugungen über uns selbst bilden sich im Laufe unseres Lebens in konkreten Situationen. Kritische Bemerkungen, prägende Erfahrungen oder Erwartungen aus dem Umfeld können Spuren hinterlassen.
Solche Erfahrungen wirken oft nach – selbst dann, wenn sich die äußeren Umstände längst verändert haben. Der Verstand kann dann zwar nachvollziehen, dass die eigenen Leistungen real sind. Das Gefühl von Unsicherheit oder Unzulänglichkeit verschwindet dadurch jedoch nicht automatisch.
Deshalb reicht es oft nicht aus, sich immer wieder bewusst zu machen, was man erreicht hat, um diese Zweifel loszuwerden.
Die Zweifel haben oft eine Geschichte
In Coachingprozessen zeigt sich häufig, dass hinter hartnäckigen Selbstzweifeln bestimmte Erfahrungen stehen, die sich tief eingeprägt haben.
Das können beispielsweise sein:
- kritische Bewertungen durch eine Autoritätsperson,
- Situationen, in denen man bloßgestellt wurde,
- permanente Leistungsanforderungen ohne entsprechende Anerkennung,
- subtile, vielleicht sogar nonverbale Botschaften, aus denen Betroffene geschlossen haben, dass sie unzulänglich sind.
Derartige Erfahrungen können dazu führen, dass jemand das (bewusste oder unbewusste) Bedürfnis hat, sich ständig zu beweisen, oder besonders hohe Maßstäbe an sich selbst anlegt und zum Perfektionismus neigt.
In der Folge reichen auch objektive Erfolge nicht aus, um das Gefühl von Unsicherheit dauerhaft zu beruhigen.
Ein anderer Blick auf das Impostor-Syndrom
Wer unter dem Impostor-Syndrom leidet, versucht häufig bereits, die gängigen Tipps zu befolgen: Positiver denken, sich die eigenen Leistungen bewusst machen und auf Erfolge konzentrieren.
Das kann ein sinnvoller erster Schritt sein. In vielen Fällen zeigt sich jedoch, dass eine nachhaltige Veränderung erst dann möglich wird, wenn auch die Ursachen der Selbstzweifel betrachtet werden.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Was denke ich über mich selbst?
Vielmehr muss sie durch weitere Fragen ergänzt werden: Woher kommt diese Überzeugung eigentlich? Wann und warum habe ich das gelernt? Und vor allem: Stimmt das überhaupt?
Wenn solche Zusammenhänge erkannt werden, kann sich der Blick auf die eigene Person, die Zweifel und auch die Leistungen verändern. Und dann können die Zweifel irgendwann wirklich verschwinden.
Gerade beim Thema Impostor-Syndrom im beruflichen Kontext lohnt es sich deshalb, nicht nur an den Symptomen zu arbeiten, sondern auch die Erfahrungen aufzuspüren, aus denen diese Zweifel entstanden sind.
Wenn Sie auch die Erfahrung machen, trotz beruflicher Erfolge immer wieder an sich zu zweifeln und das ändern möchten, unterstütze ich Sie gerne. Hier finden Sie nähere Informationen zum Coaching Programm für mehr Selbstvertrauen im Job. Kontaktieren Sie mich gerne bei Fragen oder wenn Sie mich in einem unverbindlichen Erstgespräch kennenlernen möchten.











