Was sagen in der Vorstellungsrunde? So stellen Sie sich souverän vor

Das Wichtigste in Kürze
- Viele Menschen erleben Vorstellungsrunden in Meetings, Seminaren oder Workshops als Stresssituation. Typische Gründe sind Nervosität, Angst vor negativer Bewertung und der Druck, kompetent wirken zu müssen. Besonders schwierig wird es, wenn ranghöhere oder erfahrene Personen zuhören.
- Hilfreich ist es, die eigene Selbstvorstellung nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gut vorzubereiten. Ein klarer Aufbau, verständliche Sprache und konkrete Aussagen geben Sicherheit. Wichtig ist außerdem, dass der Text zur eigenen Person passt und nicht künstlich wirkt.
- Entscheidend ist in Vorstellungsrunden meist weniger der perfekte Wortlaut als der Eindruck, den Sie hinterlassen: Wirken Sie klar, präsent und stimmig, wird das stärker wahrgenommen als einzelne Formulierungen.
- Wenn die Angst trotz Vorbereitung bestehen bleibt, liegen häufig tiefergehende Ursachen wie Selbstzweifel oder Bewertungsangst zugrunde. Dann kann es sinnvoll sein, nicht nur an Formulierungen zu arbeiten, sondern auch an den inneren Ursachen.
Für manche ist sie eine Kleinigkeit, für andere ein Moment, der sie enorm unter Druck setzt: Die Vorstellungsrunde im Meeting, Seminar oder Workshop. Kaum heißt es: „Dann stellen Sie sich kurz mal vor …“, steigt die Anspannung.
Manche Menschen hören dann kaum noch zu, was die anderen sagen, weil nur noch mit sich beschäftigt sind und fieberhaft überlegen, was sie über sich sagen sollen. Was im Hintergrund mitschwingt und worum es eigentlich geht, ist die Frage: „Wie komme ich rüber?“
Besonders unangenehm sind diese Situationen für die Betroffenen, wenn Leute zuhören, die ranghöher oder erfahrener sind. Da solche Momente immer wieder vorkommen, lohnt es sich, mal grundsätzlich darauf zu schauen, was da passiert und wie man sich vorbereiten kann.
Warum Vorstellungsrunden so viele Menschen stressen
Vorstellungsrunden wirken harmlos, können es aber in sich haben. Denn hier kommen mehrere Faktoren zusammen: Sie sprechen vor einer Gruppe von Menschen, stehen dabei im Mittelpunkt, möchten einen guten Eindruck machen und wissen, dass die Zuhörerschaft sich innerhalb von Sekunden einen Eindruck von Ihnen macht.
Wenn Sie ohnehin hohe Ansprüche an sich selbst haben, setzen Sie sich in solchen Situationen oft zusätzlich unter Druck. Dann kreisen die Gedanken um Befürchtungen wie:
- Klinge ich kompetent genug?
- Wirke ich unsicher?
- Rede ich dummes Zeug?
- Was denken die anderen über mich?
Das führt dazu, dass die Betroffenen nicht mehr klar denken können. Und gleichzeitig glauben sie, sie müssten sich in der Vorstellungsrunde besonders gut verkaufen, locker und originell wirken.
Sie versuchen also nicht nur, sich vorzustellen, sondern vielleicht auch noch, eine bestimmtes Bild zu verkörpern. Diese vermeintlichen Erwartungen machen es anstrengend.
Der Knackpunkt ist jedoch, dass Souveränität in solchen Momenten nicht dadurch entsteht, dass Sie eine Rolle spielen, sondern dadurch, dass Sie Sie selbst bleiben und trotzdem professionell auftreten.
Warum es vielen schwerfällt, über sich selbst zu sprechen
Vielen Menschen fällt es leichter, über ein Sachthema zu sprechen als über sich selbst: Ein Projekt, ein Produkt oder ein fachliches Thema vorzustellen gelingt oft ohne größere Probleme. Doch sobald es um die eigene Person geht, rutscht das Herz in die Hose.
Das ist auch nicht verwunderlich, denn wenn wir über ein Thema sprechen, schaffen Inhalte, Zahlen, Fakten oder Folien eine gewisse Distanz. Wer sich selbst vorstellt, steht als Mensch im Mittelpunkt, persönlich und in gewissem Sinne angreifbar.
Wenn Betroffene ohnehin zu Selbstzweifeln neigen oder Angst vor Kritik haben, fühlen sie sich in Vorstellungsrunden besonders vulnerabel.
Was Sie in der Vorstellungsrunde sagen können
Viele Menschen setzen sich unter Stress, weil sie glauben, sie müssten sich in der Vorstellungsrunde spontan etwas Passendes einfallen lassen. Aber das ist meist gar nicht nötig. Eine Selbstvorstellung kann gut vorbereitet und dann je nach Anlass leicht angepasst werden.
Ein sinnvoller Aufbau besteht aus drei Teilen:
1. Wer Sie sind: Ihr Name und Ihre Funktion.
2. Was Sie konkret tun: Nicht in Fachsprache, sondern so, dass andere verstehen, womit Sie sich beschäftigen.
3. Was Ihre Arbeit auszeichnet oder was Sie daran interessiert: Ein Satz, der Ihnen Profil gibt, ohne gekünstelt zu wirken.
Wichtig ist dabei vor allem: Bleiben Sie konkret. Viele Selbstvorstellungen sind zu abstrakt. Dann fallen Sätze wie: „Ich begleite strategische Prozesse“, „Ich verantworte komplexe Projekte“ oder „Ich arbeite an Schnittstellenthemen“.
Das klingt auf den ersten Blick professionell, ist aber austauschbar und beliebig. Niemand bekommt ein klare Vorstellung davon, was diese Person eigentlich tut. Greifbarer ist eine bildhafte Sprache.
Zum Beispiel:
"Ich heiße Anna Müller und arbeite im Personalbereich. Ich unterstütze Führungskräfte dabei, gute Leute zu finden, weiterzuentwickeln und im Unternehmen zu halten. Besonders interessiert mich, wie man Leistung fördern kann, ohne Menschen dabei zu verheizen."
oder
"Ich bin Julia Schneider und arbeite im Projektmanagement. Ich sorge dafür, dass bereichsübergreifende Vorhaben nicht ins Stocken geraten, Entscheidungen getroffen werden und Probleme rechtzeitig auf dem Tisch landen. Ich mag besonders die Aufgabe, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen."
Dadurch entstehen Bilder im Kopf und das Gesagte bleibt eher hängen.
So bereiten Sie sich klug vor
1) Entwickeln Sie einen Grundtext für Ihre Selbstvorstellung
Erarbeiten Sie eine kurze Selbstvorstellung mit drei bis vier Sätzen, die Sie immer wieder verwenden können. Eine Basis, die Sie je nach Anlass anpassen können: Etwas formeller im beruflichen Kontext, etwas lockerer in einem Workshop, etwas persönlicher in einer kleineren Runde.
2) Überlegen Sie, wie Sie in der Vorstellungsrunde wirken möchten
Bevor Sie an Formulierungen feilen, sollten Sie sich fragen, welchen Eindruck Sie vermitteln möchten.
Aber Achtung: Gerade Frauen neigen bewusst oder unbewusst dazu, Eigenschaften wie engagiert, hilfsbereit, zuverlässig, freundlich oder gewissenhaft zu transportieren.
Das sind alles positive Charakterzüge, im beruflichen Kontext entsteht kann dadurch jedoch leicht das Bild der „fleißigen Biene“ entstehen, die viel leistet, sich kümmert und alles am Laufen hält. Leider ist das für die Wirkung in vielen beruflichen Umfeldern nicht förderlich.
Sinnvoller ist ein klares Profil. Für den Eindruck, das Sie vermitteln möchten, können Sie sich zum Beispiel an Adjektiven wie diesen orientieren:
- strukturiert
- lösungsorientiert
- überzeugend
- zielstrebig
- analytisch
- effizient
- klar
- glaubwürdig
- vorausschauend
- pragmatisch
- strategisch
- offen
- professionell
- inspirierend.
Wichtig ist allerdings, dass Sie dabei nicht jemanden verkörpern sollten, der Sie nicht sind. Sie sollten sich vorher bewusst machen, wie Sie wahrgenommen werden möchten, und überlegen, wie das mit Ihrem Selbstbild in Einklang gebracht werden kann.
3) Achten Sie darauf, dass der Text zu Ihnen passt
Eine vorbereitete Selbstvorstellung gibt Sicherheit, allerdings nur dann, wenn Sie sich mit dem Text identifizieren können und nicht das Gefühl haben, eine Rolle zu spielen, während Sie ihn aufsagen.
Ihr Text sollte daher nicht übertrieben geglättet klingen, Formulierungen enthalten, die Sie selbst nie benutzen würden, oder ein Bild vermitteln, das nichts mit Ihnen zu tun hat. Er muss sich stimmig anfühlen. Fragen Sie sich deshalb beim Entwickeln Ihrer Selbstvorstellung:
- Würde ich das wirklich so sagen?
- Passt diese Sprache zu mir?
- Klinge ich professionell, ohne mich zu verbiegen?
Je besser Sie sich mit dem Text identifizieren können, desto sicherer fühlen Sie sich mit Ihrer Selbstvorstellung. Und das wirkt sich unmittelbar auf Ihren Auftritt aus.
4) Nutzen Sie verständliche Sprache, wenn Sie sich vorstellen
Gerade im beruflichen Kontext ist die Versuchung groß, möglichst fachlich zu klingen. Das führt zu abstrakten, blutleeren Sätzen.
Verständliche Sprache wirkt nicht weniger kompetent, im Gegenteil: Wenn Sie klar ausdrücken können, was Sie tun, schärft das Ihr Profil und Sie wirken souveräner als jemand, der sich hinter Fachbegriffen versteckt.
5) Passen Sie Ihre Selbstvorstellung an den Rahmen an
Eine Vorstellungsrunde im Teammeeting ist etwas anderes als in einem Seminar, einem Workshop oder bei einer Netzwerkveranstaltung. Deshalb braucht es kein starres Schema F, sondern einen Text, den Sie flexibel anpassen können. Die Grundidee bleibt gleich, aber Tonfall und Schwerpunkt sollten variieren. Bereiten Sie verschiedene Textversionen vor.
6) Üben Sie vor Publikum
Sprechen Sie Ihre Selbstvorstellung laut aus, idealerweise vor Zuhörern. Der Familien- oder Freundeskreis kann Ihnen auch gleich Feedback dazu geben, wie Sie wirken.
Nur wenn Sie ihn aussprechen, merken Sie, ob ein Satz, der auf dem Papier gut aussieht, auch glatt über die Lippen geht. Ein Text kann nämlich inhaltlich stimmig sein und trotzdem holpern. Auch deshalb empfiehlt es sich, laut zu üben.
7) Nutzen Sie KI als Sparringspartner, um sich auf die Vorstellungsrunde vorzubereiten
Um eine knackige und passende Selbstvorstellung zu entwickeln, können Sie sich von KI unterstützen lassen. Nutzen Sie dazu zum Beispiel diesen Prompt:
„Hilf mir, eine kurze Selbstvorstellung für eine Vorstellungsrunde zu formulieren.
Rahmen:
- maximal 3 Sätze
- professionell, natürlich und gut sprechbar
- keine Floskeln
- auch für Außenstehende verständlich
Meine Angaben:
- Beruf / Rolle
- Arbeitsumfeld
- wer zuhört
- wie ich wirken möchte
Erstelle 3 Varianten:
- sachlich und prägnant
- informell
- mit persönlicher Note“
Wenn das Resultat nicht passt: Wiederholen Sie den Vorgang einfach, die KI bringt immer andere Ergebnisse hervor.
Übrigens: Zum Thema Vorstellungsrunden bin ich kürzlich interviewt worden:
Wenn Sie sich trotz Übung weiterhin schwertun
Manche Menschen bereiten sich gut vor, haben schon viele Vorstellungs-runden hinter sich und sind trotzdem jedes Mal aufs Neue gestresst. Dann steckt häufig mehr dahinter, zum Beispiel die Angst vor (negativer) Bewertung, Scham oder Selbstzweifel.
Nur an Formulierungen zu feilen, reicht deshalb nicht immer. In solchen Fällen lohnt es sich, genauer zu schauen, was dahintersteckt.
Fazit
Viele Menschen setzen sich in Vorstellungsrunden unnötig unter Druck, weil sie glauben, sie müssten dort inhaltlich besonders glänzen. Darauf kommt es nicht an. Entscheidender ist, wie Sie auftreten, ob Sie klar wirken und ob Sie präsent sind.
Deshalb ist es sinnvoll, die eigene Selbstvorstellung gut vorzubereiten. Nicht mit dem Ziel, einen makellosen Text auswendig zu lernen, sondern um eine Vorstellung zu entwickeln, die zu Ihnen passt, Ihre Botschaft vermittelt und sich beim Sprechen stimmig anfühlt. Wenn Sie sich mit dem identifizieren können, was Sie sagen, fühlen Sie sich automatisch sicherer.
Falls Sie dabei Unterstützung benötigen: Ich bin darauf spezialisiert, Redeangst und Selbstzweifel im Job zu überwinden und in Meetings, Präsentationen und anderen herausfordernden Situationen souverän aufzutreten. Melden Sie sich gerne, wenn Sie Fragen dazu haben oder mich in einem Erstgespräch kennenlernen möchten!











